Joseph Rheinberger: „Die sieben Raben“, Opernprojekt 2017

Eine romantische Oper in drei Akten. Die Liebesgeschichte zwischen Elsbeth und Prinz Roderich, basiert auf zwei Märchen der Gebrüder Grimm. Trotz Intrigen und eines Fluchs endet sie schließlich gut. Elsbeth errettet durch ihre Verschwiegenheit und ihre Treue die verzauberten sieben Brüder. Auch eine Femegericht, das sie zum Scheiterhaufen verurteilt, vermag dies nicht zu verhindern. Und Prinz Roderich kann seine geheimnisvolle Geliebte glücklich in den Armen halten, da ihr Schweigegebot zur rechten Zeit endet.

Der Komponist
Über die Oper
Besetzung
Grußwort von Prinz Stefan von Liechtenstein
Pressestimmen

Der Komponist

Der Liechtensteiner Komponist Joseph Gabriel Rheinberger ist vor allem durch seine Kirchenmusik bekannt. Er lebt ab seinem zwölften Lebensjahr in München, wo er das Konservatorium besucht, an dem er später jahrzehntelang Professor für Komposition und Orgel unterrichtet. Sein Werk umfasst 197 Opuszahlen, darunter  Klavier- und Orgelwerke, Chormusik, Sinfonien, Kammermusik, drei Singspiele und zwei Opern. „Die sieben Raben“  op.  20 schrieb er 1869 für die Münchner Hofoper (wo sie auch König Ludwig II  hörte?). Zu seinen Schülern zählen so bedeutende Künstler wie Engelbert  Humperdinck, Richard Strauss und Wilhelm Furtwängler.

Über die Oper

Vorgeschichte

Nach sieben Knaben wird einem Elternpaar endlich ein Mädchen (Elsbeth) geboren. Da die Knaben beim Schöpfen des Taufwasser aus dem Brunnen den Krug zerbrechen, verwünscht die Mutter im Zorn ihre Söhne zu Raben. Umgehend wird dieser Fluch erfüllt. Die Mutter stirbt daraufhin.
Nach Jahren erfährt Elsbeth diese Begebenheit, fühlt sich schuldig und beschließt ihre Brüder zu erlösen. Von einer Fee erfährt sie, dass dies dadurch möglich wird, dass sie sechs Jahre lang niemandem erzählt, wer sie sei und woher sie komme. Außerdem muss sie jedem Bruder ein Hemd weben.

Handlung


Erster Akt

Abend im herbstlichen Wald

Die höfische Jagdgesellschaft sucht vergeblich nach Prinz Roderich, der sich versteckt, um Elsbeth, seine heimliche Geliebte, zu besuchen. Sie webt an den Hemden für ihre Brüder und schläft dabei ein. Die Fee ermutigt sie im Traum, bald sei die Aufgabe erfüllt. Roderich tritt auf versucht sie zu überreden, mit ihr auf das Schloss zu kommen und ihn zu heiraten.

Im Schloss

Fürstin Mathilde verspricht ihrem Stiefbruder Eckart, dass ihr Sohn Roderich dessen Tochter heiraten wird. Roderich stürmt in den Saal und stellt der entsetzten Hofgesellschaft Elsbeth als Braut vor.


Zweiter Akt

Im Schloss

Mathilde versucht von Elsbeth ihre Herkunft zu erfahren. Obwohl sie dies verschweigt, gewinnt sie durch ihre Natürlichkeit und Reinheit das Herz der Fürstin, die daraufhin Eckart überreden will, auf die Heirat seiner Tochter zu verzichten. Doch dieser schwört Rache für die Zerstörung seiner Machtpläne: Da er schon bei der Erbfolge übergangen worden war, wollte er über die Heirat seiner Tochter politischen Einfluss bekommen. Hubert erzählt ihm, dass Elsbeth nachts Besuch von Raben bekomme und mit ihnen in geheimer Verbindung stehe. Eckard hört dies mit Begeisterung.

Einige Tage später: Hochzeitstag

Roderich beobachtet im Hochzeitsgewand vom Fenster aus, wie seine Braut Almosen an Arme verteilt. Hofdamen begleiten die Braut, um ihren Bräutigam abzuholen.

Verwandlung: Innenhof der Burg

Das Volk jubelt dem Braupaar zu, Tänzer tragen zur Gestaltung des Festes bei. Als das Brautpaar auf die Kirchenpforte zuschreitet, tritt ihnen Eckart mit Femerichtern entgegen und klagt die Braut als Hexe an. Entsetzen beendet die Hochzeitsfeier.

PAUSE

Dritter Akt

Im Gefängnis

Elsbeth ist verzweifelt: Nicht nur, dass ihre Liebe unerfüllt bleibt, auch die Schuld an ihren Brüdern kann sie nun nicht mehr begleichen. In ihrer Not betet sie.
Die Femerichter kommen und verkünden das Todesurteil. Roderich nimmt Abschied, nicht ohne sie inständig zu bitten, doch ihr Geheimnis, woher sie komme, preis zu geben, um so doch noch dem Tod zu entgehen.

Im Schloss

Hubert bereut bitter, Roderich verraten zu haben. Doch Eckart triumphiert. Roderich und seine Mutter sind entsetzt über seine Gefühlskälte.

Verwandlung: Innenhof der Burg

Während der Scheiterhaufen errichtet wird, klagt das Volk über das Todesurteil Elsbeths. Sie nimmt Abschied von Roderich, als mit einem Blitz die Fee mit den sieben Brüdern erscheint und erklärt, dass der Fluch nun erlöst sei. Glücklich fallen sich die Liebenden in die Arme und Mathilde krönt Elsbeth mit einem Diadem.

Es singen und spielen

Mathilde, regierende Herzogin Kayo Hashimoto, Neubeuern
Roderich, ihr SohnMarkus Kotschenreuther, Flintsbach
Graf Eckart, ihr StiefbruderAndreas Agler, München
ElsbethSieglinde Zehetbauer, Rosenheim
Hubert, ein treuer Jäger im Dienste RoderichsMichael Doumas, Hamburg
FeeSonja Bühling, Riedering
RichterMartin Zimmerer, Ebersberg
Die sieben Brüder ElsbethsStatisten
Ballett Ballettschule Prien
Hof- und Landleute, Jagdgesellschaft, FemerichterChor des Vereins erlesene Oper e.V.
ChoreographieNicole Hadrawa- Sedlak
Chor und Orchester des Vereins erlesene oper e.v.
Regie und musikalische LeitungGeorg Hermansdorfer
BühnenbildOtto von Kotzebue

Grußwort von Prinz Stefan von Liechtenstein

Als der 1839 im Fürstentum Liechtenstein geborene Komponist Josef Gabriel Rheinberger im Alter von nur zwölf Jahren von Vaduz nach München zog, um eine seinem außerordentlichen Talent entsprechende musikalische Ausbildung zu erhalten, gab es gerade noch keine Königlich Bayerische Staatsbahn, die ihn von Lindau über Augsburg nach München hätte bringen können. Er musste also zumindest die Strecke bis Augsburg mit der Postkutsche zurücklegen. Ob er alleine reisen musste? Eine eher unheimliche Vorstellung.

In eine ähnlich unheimliche Emotionslage führt einen die Ouvertüre der Oper „Die sieben Raben“. Kein Wunder. Wir begeben uns ja in eine Märchenatmosphäre, mit sicherlich einem düsteren Wald, einer Burg mit vielen dunklen Ecken und gemeinen Menschen. Doch dann erklingen himmlische Geigen, wie ein Sonnenstrahl, wunderschön, wie Elsbet. Ihre Schönheit ist nicht nur eine äußerliche. Sie ist von innen her schön durch ihre Treue und ihre Liebe zu ihren verwunschenen Brüdern. Ouvertüren sind eine besondere Art der Zusammenfassung. Mit wenigen Klängen fassen sie die Emotionslagen einer oft zweistündigen Oper zusammen und deuten an – Gott sei´s gedankt – dass es am Ende doch noch gut ausgehen wird.

Die wunderschöne Musik des, sicherlich aufgrund seiner bayerischen Veredelung, bedeutendsten liechtensteinischen Komponisten Rheinberger darf uns nicht darüber hinwegtäuschen, dass es in der Geschichte um schwere und tiefschürfende Themen geht. Eltern, die ihre Söhne verfluchen, wegen einer Lappalie. Was ist schon ein zerbrochener Krug? Sie meinten es doch gut. Eine übrig gebliebene Tochter, die deshalb auch noch Schuldgefühle hat und sich Jahre lang Vorwürfe macht. Warum eigentlich? Wenn jemand wirklich unschuldig ist, dann sie. Heute sagen uns helfende Menschen, Psychologen, Seelsorger, wie wir mit unseren Lasten der Familiengeschichte umgehen können, wie wir wieder herauskommen, verzeihen, nach vorne schauen, neu anfangen, fast wie ein Wunder. Früher hatten Märchen die Rolle, auf so komplizierte menschliche Zusammenhänge aufmerksam zu machen. Und es brauchte Feen und echte Wunder, um wieder aus dem Schlammassel heraus zu kommen. Eigentlich interessant, dass man sich früher solche Märchen – heute würde man sagen Sience Fiction Erzählungen – als Gutenachtgeschichten erzählte. Von Einschlafen kann keine Rede sein. Das ist in einer Oper auch nicht angebracht.

Dass der Verein „Erlesene Oper“ für 2017 eine Oper von Josef Gabriel Rheinberger in das Programm genommen hat, freut mich besonders! Eine alte bayerisch-liechtensteinische Verbindung wird dadurch gepflegt und lebendig gehalten. Die Rosenheimer Inszenierungen von Regisseur und musikalischem Leiter Georg Hermansdorfer genießen über die Grenzen einen hervorragenden Ruf. Und es ist eine großartige Initiative, auf diese Weise schon seit fünf Jahren Opern den Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern näher zu bringen. Das ist künstlerisch und gesellschaftlich ein mehr als nur lobenswertes Engagement!

Solche Projekte brauchen viele unterstützende Helfer. Mit großem Respekt sende ich daher meinen Dank auch an die Vertreterinnen und Vertreter der Politik. Kunst ist das was bleibt. Der musikalischen Leitung, dem Ensemble und dem gesamten Team wünsche ich viel Spaß bei den Proben, größten Erfolg für die Aufführungen und allen, die diese genießen werden, emotionale Momente und ein unvergessliches Vergnügen!

Berlin im Oktober 2016

Prinz Stefan von Liechtenstein
Botschafter des Fürstentums Liechtenstein in der Bundesrepublik Deutschland

Pressestimmen

Die sieben Raben in Rosenheim

Radiobeitrag zum Stück
Bayern 2, kulturLeben, 23.03.2017

ROSENHEIM: DIE SIEBEN RABEN von Joseph Gabriel Rheinberger. Eine echte Opernrarität. Opernausgrabung in Rosenheim: „Die sieben Raben“ von Joseph Gabriel Rheinberger (Vorstellung: 26. 3. 2017)

In diesem Jahr wartete der im Jahr 2011 von Georg Hermansdsorfer gegründete Verein „erlesene oper“ mit einer besonderen Rarität auf: „Die sieben Raben“ des Liechtensteiner Komponisten Joseph Gabriel Rheinberger. Die Aufführungen fanden wie im Vorjahr im Kultur- und Kongress-Zentrum Rosenheim (Ku’Ko) statt, wobei der bekannte Musikpädagoge wieder selbst Regie führte und dirigierte.

Das Werk ist eine romantische Liebesgeschichte, die auf zwei Märchen der Gebrüder Grimm basiert. Es wurde 1869 am Münchner Hof- und Nationaltheater uraufgeführt und das letzte Mal 1887 unter Richard Strauss gespielt, der ebenso zu den Schülern von Rheinberger zählte wie Engelbert Humperdinck und Wilhelm Furtwängler. Die Handlung der romantischen Oper, deren Libretto von Franz Bonn und Franziska Rheinberger stammt, in Kurzfassung: Bei den sieben Raben handelt es sich um die verzauberten sieben Brüder von Elsbet, die von einem Femegericht zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt wird, als sie ihr Schweigen nicht bricht und so ihre Brüder rettet. Schließlich kann Prinz Roderich seine geheimnisvolle Geliebte glücklich in die Arme nehmen, da ihr Schweigegebot zur rechten Zeit endet.

In einem Beitrag im informativ gestalteten Programmheft über die Entstehung und Wirkung der Oper weist Georg Hermansdorfer auf die Parallelen zu Wagners Lohengrin hin: „Aus Elsa wird Elsbet, ‚Nie sollst du mich befragen‘ beharrt Lohengrin, während bei Rheinberger die Braut ihre Herkunft verschweigen muss. Auch die Hofszenen, die Brautszene, der Hochzeitszug mit Marsch und die Szene vor dem Kirchportal sind deutliche Parallelen. Selbst das musikalische Auftrittsthema Roderichs ähnelt verdächtig einem Motiv aus Lohengrins drittem Akt. Der wesentliche Unterschied besteht jedoch im Happy-End, in der Erlösung durch Glauben und die Treue.“

Joseph Gabriel Rheinberger, der 1839 in Vaduz geboren wurde und 1901 in München starb, wurde vor allem durch seine Kirchenmusik bekannt. Er lebte ab seinem 12. Lebensjahr in München, wo er das Konservatorium besuchte, an dem er später jahrzehntelang als Professor für Komposition und Orgel unterrichtete, wobei – wie schon erwähnt – unter anderem Richard Strauss und Engelbert Humperdinck zu seinen Schülern zählte. Seine zahlreichen Kompositionen umfassen Klavier- und Orgelwerke, Chormusik und Sinfonien sowie drei Singspiele und zwei Opern (neben den Sieben Raben noch Türmers Töchterlein (1873).

Wie in den vergangenen Jahren schuf das naturalistische und farbenfrohe Bühnenbild auch heuer Otto von Kotzebue. Es bildete gemeinsam mit den bunten Kostümen einen idealen Rahmen für das Märchenspiel „Die sieben Raben“. Gelungen auch die von Nicole Hadrawa-Sedlak kreativ choreographierten Ballettszenen. Auffallend stimmkräftig der Chor des Vereins „erlesene oper“ (Einstudierung: Marion Hummel, Organisation: Eva Epple).

Das Sängerensemble (großteils aus Rosenheim und Umgebung) begeisterte das Publikum durch sehenswerten Einsatz in ihren Rollen. „Star“ der Vorstellung war die Sopranistin Sieglinde Zehetbauer als Elsbet, die mit ihrem hohen Sopran die schwierige Rolle sowohl stimmlich wie darstellerisch bewundernswert meisterte. Schade, dass der Tenor Markus Kotschenreuther als Prinz Roderich indisponiert schien und des Öfteren mit Problemen zu kämpfen hatte.

Stimmlich wie schauspielerisch überzeugend die japanische Sopranistin Kayo Hashimoto als  Herzogin Mathilde und die Mezzosopranistin Sonja Bühling als Fee. Mit großer Wortdeutlichkeit gestalteten der Bariton Andreas Agler und der Bass Michael Doumas ihre Rollen als Mathildes Stiefbruder Eckart und als treuer Jäger Hubert. Der kleineren Rolle des Richters lieh der Bass Martin Zimmerer seine tiefe Stimme.

In gewohnter Weise – umsichtig und temperamentvoll – leitete Georg Hermansdorfer, die Seele der erlesenen oper e.v., das Orchester des Vereins und brachte damit die vielschichtig-romantische Partitur des Liechtensteiner Komponisten Rheinberger voll zum Erklingen.

Das begeisterte Publikum belohnte alle Mitwirkenden mit lang anhaltendem Applaus und vielen Bravorufen für Sieglinde Zehetbauer und Georg Hermansdorfer. Es war wieder ein musikalisch reizvoller Nachmittag, der mit einer gekürzten Vorstellung für Kinder begann und zu einem gesellschaftlichen Rosenheimer Ereignis wurde, an dem auch einige Verwandte des Komponisten aus dem Fürstentum Liechtenstein teilnahmen.
Udo Pacolt
Online Merker, März 2017: ROSENHEIM: DIE SIEBEN RABEN von Joseph Gabriel Rheinberger. Eine echte Opernrarität

Hochzeit statt Scheiterhaufen

Da hat doch Georg Hermansdorfer mit seinem Verein „Erlesene Oper“ eine Oper angepackt, die ins Große zielt und seinerzeit mit den Opern von Richard Wagner konkurrierte: Josef Rheinberger (1839 bis 1901), der sonst mehr für seine Geistliche Musik und seine Orgelwerke bekannt ist, hat eine Märchenoper namens „Die sieben Raben“ komponiert, die zwei Grimm-Märchen mit Wagners „Lohengrin“ und dessen Frage-Verbot verquickt.

Es ist, eine Oper, deren Musik „lortzingt“, „mendelssohnt“ und sogar schüchtern „wagnert“. Gegen die übermächtige Wagner-Konkurrenz konnte sich die Oper damals – wiewohl mit melodischen, immer etwas wehmütigen Melodien gesegnet – in München nicht durchsetzen. Im Rosenheimer Kultur- und Kongresszentrum gefiel sie den zahlreichen Zuhörern, darunter der Rosenheimer Landrat Wolfgang Berthaler, Rosenheims Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer und Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner.

Diese Oper hat alles, was eine Oper so braucht: eine melodisch drängende (wiewohl etwas lange) Ouvertüre, einen – etwas elegischen – Jägerchor mit hübscher Waldhornromantik, ein großes Sopranistinnen-Jubelduett und ein schwelgendes Liebesduett, aber auch eine Hass- und eine Verleumdungs-Arie, eine Ballettmusik und ein großes Finale. Dazu eine Fee, einen Prinz mit bösem Widersacher, Gefängnis und drohenden Scheiterhaufen, alles mit Hochzeits-Happy-End.

Hermansdorfer hat alles aufgeboten, was nur geht: reichbunte Kostüme, ein anmutiges Ballett (allerliebst: die Ballettschule Prien unter Nicole Hadrawa-Sedlak), einen großen wacker singenden und impulsiv agierenden Chor (Einstudierung: Marion Hummel), dramatische, manchmal irritierende, Lichtregie und märchenhaft wabernden Nebel und große Volksszenen.

Bisher hat dieser Opern-Verein nur heitere Spielopern aufgeführt. Diese großdramatische Rheinberger-Oper führt den Verein musikalisch an seine Grenzen. Diese Musik verlangt nach einem großen erfahrenen Opernorchester, nicht nach einem – wenngleich sehr animiert aufspielenden – Liebhaberorchester. Und so richtig dramatisch aufdrehen konnten eigentlich wenige der Sänger: Sonja Bühling gab eine ein- und nachdrücklich deklamierende Fee mit Auftritts-Aplomb, Michael Doumas als verräterischer und dann reumütiger Jäger glänzte mit raumfüllend-schwarzem Bass, vor allem aber war Kayo Hashimoto eine hoheitsvolle Herzogin mit ausdrucksstarkem Sopran und herrscherlicher Attitüde.

Andreas Aglers großem Bariton fehlte doch etwas die Bosheit für den bösen Stiefbruder Eckard. Der leichte und lichte Tenor von Markus Kotschenreuther war zu leicht für die fast schon Heldentenor-Arien des Prinzen Roderich, und auch der immer so silbrig schimmernde Sopran von Sieglinde Zehetbauer konnte zwar in den Liebesszenen lyrisch aufblühen, wurde in den dramatischen Szenen aber angestrengt. Sie überzeugte aber schauspielerisch als Elsbet, die ihre in Raben verwandelte Brüder retten will. Sehr schön gelang das Jubelduett zusammen mit Kayo Hashimoto.

Der Findersinn von Georg Hermansdorfer solch eine Oper auszugraben, ist hochlöblich, der Mut, solch eine Groß-Oper auf die Bühne zu bringen, ist aller Ehren wert. Trotzdem freuen wir uns auf die zwei heiteren Einakter nächstes Jahr, die das ausführliche Programmheft verspricht.

Extra-Aufführung für Kinder
Am kommenden Sonntag gibt es im Kuko noch eine verkürzte und moderierte Aufführung für Kinder um 13.30 Uhr und eine volle Aufführung um 16 Uhr: nochmal eine Gelegenheit, eine seltene Oper mit melodischen Schönheiten und farbiger Gestaltung anzuhören und anzuschauen.
OVB online, 21.03.2017: Hochzeit statt Scheiterhaufen