Albert Lortzing: „Die beiden Schützen“, Opernprojekt 2016

Heitere Spieloper in drei Akten.

Der Komponist
Über die Oper
Pressestimmen

Der Komponist

Albert Lortzing (1801 – 1851) gilt als der wichtigste Vertreter der deutschen Spieloper, also einer heiteren, volkstümlichen romantischen Oper.
Er wuchs in einer Schauspielerfamilie, spielte und sang schon in jungen Jahren als Wanderschauspieler, bis er 1826 am Opernhaus Detmold seine erste feste Stelle erhielt.
1833 wurde er Mitglied des Leipziger Opernensembles, für das er 1837 „Die beiden Schützen“ und seine erfolgreichste Oper „Zar und Zimmermann“ schrieb.
Eine Vielzahl herrlicher Melodien und mitreißende Instrumentierung führten zur großen Beliebtheit seiner Musik.

Über die Oper

Zwei vermisste Söhne kehren nach über zehn Jahren aus den Napoleonischen Kriegen nach Hause zurück. Doch nicht einmal der eigene Vater erkennt seinen Sohn.
So beginnt eine turbulente Verwechslungsgeschichte, in der natürlich auch zwei Liebesgeschichten verwoben sind. Angeheizt wird die Verwirrung durch die Dorfbewohner, den nun eifersüchtigen Peter und die neugierige Jungfer Lieblich. Als die zwei verwechselten Tornister den echten Sohn auch noch als Lügner hinstellen, droht eine Katastrophe. Aber beim nächtlichen Stelldichein aller Beteiligten im Gartenhaus löst sich alles zu einem Happy End.

Pressestimmen

Ins Schwarze getroffen

Mit der Spieloper „Die beiden Schützen“ von Albert Lortzing hat der Verein „Erlesene Oper“ ins Schwarze getroffen. Georg Hermansdorfer hat diese Oper ausgegraben, bearbeitet und inszeniert.

Diese erste vollgültige Oper von Lortzing hat alles, was auch dem animierten Publikum im gut gefüllten verkleinerten Saal des Rosenheimer Kultur- und Kongresszentrums gefiel: schwungvolle Chöre, volkstümliche und gefühlvolle Arien, Lieder und Ensembles, Komik durch Verwechslungsszenen. Zwei nach langer Zeit heimkehrende Soldaten werden verwechselt, sogar von den eigenen Vätern. Darin verwoben sind zwei Liebesgeschichten, wobei es zunächst den Anschein hat, als wenn sich ein Soldat in die eigene Schwester verlieben würde. Köstlich ist dann am Schluss das heitere Verwechslungspiel im zum Gefängnis umfunktionierten dunklen Gartenhaus.

Viel Volk bevölkerte schon am Anfang die Bühne, vom Landmann bis zum bettelnden Mönch und einem Kaminkehrer. Stimmstark agiert hier der Chor. Die Tornister, die eine wichtige Rolle im Verwechslungsspiel spielen, sind wasch- und stilecht, die Kostüme sind farbig und stimmig (Irmgard Kreuzpaintner/Irmtraud Pichler), die Bühnenprospekte, die einen Dorfplatz mit Dorfbrunnen darstellen, sind von Otto von Kotzebue humorvoll bemalt: Das Auge hat was zum Schauen. Die doch recht vielen Sänger agieren spielfreudig und temperamentvoll und finden guten Kontakt zum Publikum.

Werner Perret gibt dem Gastwirt Busch sein sprachlich gedehntes Spiel und bewegt sich mit dickbäuchiger Bonhomie. Als Amtmann ist Helmut Wiesböck würdevoll. Sein Neffe Peter muss immer fürchterlich zetern und wüten, was Tobias Gründl mit Gründlichkeit und baritonaler Wucht tut. Ein neues Gesicht in der Truppe ist Michael Doumas aus Hamburg, der als Freund des Soldaten Wilhelm die Verwechslung ins Werk setzt und immer nur ans Essen und Trinken denkt – was er leider selten wirklich tut. Dafür darf er am Ende mit markigem Bass ganz aktuelle Couplets über die EU und die Wirtschaftspolitik vortragen. Martin Zimmer kann als alles aufklärender Unteroffizier einen wahrlich schwarzen Bass ins Gefecht führen. Beatrix Schalk ist eine allerliebst tirilierende Jungfer Lieblich.

Gut besetzt sind die Männer-Hauptrollen: Militärisch forsch ist die Auftritts-Arie des Schützen Wilhelm (Andreas Agler), der mit kernigem und wendigem Bariton und frischem Spiel auftrumpft, ganz hingebungsvoll lyrisch die des Schützen Gustav (Markus Kotschenreuther), der nach Herzenslust mit schwärmerischem Tenor schmelzen und schmalzen darf. Eine Augen- und Ohrenweide sind die beiden Mädchen: Verspielt-fröhlich singt als Suschen Christa Huber mit quecksilbrigem Sopran, während Sieglinde Zehetbauer als Caroline lyrisch aufblühend und leuchtstark singen darf „Er ist mir wert, er ist mir teuer“. Auch sonst zeigt sie sich höhen- und koloraturensicher und opernerfahren.

Die feine und heitere Orchestermusik ist höchst anspruchsvoll: Als Dirigent leistet Georg Hermannsdörfer Schwerstarbeit. Einen durchgearbeiteten Orchesterklang kriegt er nicht ganz hin und so manch vorwitzige Geigen und Holzbläser spielen recht individualistisch, aber der immer vorwärtsdrängende Schwung und die oft walzerbetonte Rhythmik gefallen.

Gefallen hat alles den Zuschauern, die am Schluss alle Beteiligten ausgiebig feiern.

Die Oper wird noch zweimal aufgeführt: Am Samstag, 27. Februar, um 19.30 Uhr und nachmittags um 15 Uhr als verkürzte und moderierte Kinderaufführung. Karten gibt es unter Telefon 0 80 31/3 65 93 65.
OVB online, 25.2.2016: Ins Schwarze getroffen

Wieder eine Opernrarität in Rosenheim: „Die beiden Schützen“ von Albert Lortzing (Premiere: 21. 2. 2016)

Neuerlich brachte der im Jahr 2011 gegründete Verein „erlesene oper“, der es sich zum Ziel gesetzt hat, unbekannte oder vergessene Opern wieder zum Leben zu erwecken, eine Rarität zur Aufführung. Heuer stand im „KU’KO“ (Kultur- und Kongress-Zentrum Rosenheim) die dreiaktige Oper „Die beiden Schützen“ von Albert Lortzing auf dem Spielplan.

Das heitere Singspiel, dessen Libretto der Komponist nach der Textvorlage „Die beiden Grenadiere“ von Joseph Patrat (1733 – 1801), der vierzig Theaterstücke schrieb, selbst verfasste, erlebte 1837 in Leipzig seine Uraufführung. Lortzing, der am Opernhaus engagiert war, übernahm die Tenorpartie des Peter, seine Mutter die Rolle der Jungfer Liebchen.

Der Inhalt in Kurzfassung: Zwei vermisste Söhne kehren nach mehr als zehn Jahren aus den Napoleonischen Kriegen nach Hause zurück, doch wird der eine Sohn nicht einmal vom Vater erkannt. So beginnt eine turbulente Verwechslung, in die auch zwei Liebesgeschichten verwoben sind. Angeheizt wird die Verwirrung noch durch die Dorfbewohner, den eifersüchtigen Peter, der ein Neffe des Amtmannes ist, und durch die neugierige Jungfer Liebchen. Als zwei verwechselte Tornister den echten Sohn auch noch als Lügner hinstellen, droht eine Katastrophe. Aber beim nächtlichen Stelldichein aller Beteiligten im Gartenhaus löst sich alles in Wohlgefallen auf. Dem Happyend steht nichts mehr im Wege…

Wie schon in den vergangenen Jahren übernahm wieder Georg Hermansdorfer, der Gründer und die „Seele“ des Vereins „erlesene Oper“, neben der musikalischen Leitung auch die Regie. Es gelang ihm wieder eine sehr humorvolle Inszenierung des Werks mit guter  Personenführung, die sich besonders in den Szenen mit den Dorfbewohnern sehr positiv auswirkte. Die großformatigen Bühnenbilder stammten auch diesmal von Otto von Kotzebue, dem Urenkel des berühmten Schriftstellers August von Kotzebue. Für die trefflich passenden Kostüme sorgten Irmtraud Pichler und Irmgard Kreuzpaintner, für die Beleuchtung Marcus von Hartmann und Markus Seemeier.

Das Sängerensemble zeigte durchwegs begeisternden Einsatz und überzeugte auch stimmlich. Die charmante Sopranistin Sieglinde Zehetbauer in der Rolle der Caroline, der Tochter des Amtmanns, wartete mit gewinnender Bühnenpräsenz auf, während die Sopranistin Christa Huber als Suschen, der Tochter des Gastwirts Busch, durch ihre köstliche Mimik nicht nur die Sympathien von Wilhelm, des unehelichen Sohnes des Amtmanns, sondern auch des Publikums gewann.

Den Gastwirt Busch gab der Bassbariton Werner Perret sehr komödiantisch, während der Bariton Helmut Wiesböck die Rolle des Amtmanns eher zurückhaltend spielte. Seinen unehelichen Sohn Wilhelm spielte der Bariton Andreas Agler dagegen mit Feuer und Leidenschaft. Sein Kamerad Schwarzbart wurde vom Bassisten Michael Doumas mit Verschlagenheit und Witz ausgestattet. Humorvoll sein Vortrag des Couplets, das mit Anspielungen auf die Betrügereien der Deutschen  Bank und der FIFA angereichert war.

Mit großem schauspielerischen Einsatz spielte der Tenor Tobias Gründl die Rolle des Peter, der bei einer Hochzeit in eine Schlägerei verwickelt war und mit großer Wehleidigkeit seine Wunden beklagte. Stimmlich wie darstellerisch überzeugend war der Tenor Markus Kotschenreuther als Gustav, Sohn des Gastwirts Busch, der wegen der Verwechslung der Tornister unschuldig ins Dorfgefängnis abgeführt wird. In zwei kleineren Rollen waren noch die Sopranistin Beatrix Schalk als Jungfer Liebchen und der Bass Martin Zimmerer als Unteroffizier Barsch im Einsatz.

Der Chor des in Halfing beheimateten Vereins „erlesene oper e.v.“, der die Soldaten, die Nachbarn des Gastwirts und Landleute in vielen volkstümlichen Szenen darzustellen hatte, bot mit ausdrucksstarker Mimik ebenfalls eine ansprechende Leistung (Einstudierung: Hubert Dobl, Coaching: Manon Hummel, Organisation: Eva Epple). Beeindruckend die Schlussszene!

Das 33-köpfige Orchester des Vereins (Korrepetition: Hans Orterer) brachte unter der umsichtigen Leitung von Georg Hermansdorfer die ins Ohr gehenden Melodien und prägnanten Rhythmen der Partitur der „Spieloper“ exzellent zur Geltung. Das sehr beifallsfreudige Publikum – es applaudierte nach fast jeder Arie – belohnte am Schluss alle Mitwirkenden, auch die hinter der Bühne tätigen Mitarbeiter des Vereins, die der Dirigent in seiner Funktion als künstlerischer Leiter vor den Vorhang holte, mit nicht enden wollendem Beifall und etlichen Bravorufen.

Udo Pacolt

PS: Eine weitere Vorstellung der Lortzing-Oper „Die beiden Schützen“ findet am Samstag, dem 27. Februar 2016, um 19:30 Uhr im Kultur- und Kongress-Zentrum Rosenheim statt.
Online Merker, Feb. 2016: ROSENHEIM: DIE BEIDEN SCHÜTZEN von Albert Lortzing